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Es war irgendwann im Frühjahr als Berndt Papinski spät Abends
angerufen hat. Im Hintergrund laute Musik und tolle Stimmung. Er brüllte
irgendwas von "Kartfahren" ins Telefon, "und das es keinen
besseren dafür gebe wie mich und überhaupt..", und das
er mich nochmals anrufen werde. Berndt ist immer spontan und impulsiv.
Das macht ihn auch so erfolgreich in seinen Projekten. Er kennt alle,
und vor allem er ist immer zur Stelle, wenn man Hilfe braucht.
Wie versprochen klingelt später das Telefon, und Berndt stellt mir
Ernst Kirchmayr, den Direktor der Plus City Linz vor. Ernst benötigte
damals einen Trainer, weil er beim Kartrennen in Velden teilnehmen werde.
Nach und nach intensivierten sich die Gespräche, und wir lernten
uns schließlich persönlich kennen.
Das Plus City Race war eine wichtige Sache für Ernst, weil er als
Hausherr und Veranstalter, beim Publikum keinen schlechten Eindruck hinterlassen
wollte. Wir vereinbarten einen Modus, ich sei nur für den sportlichen
und technischen Teil verantwortlich, und werde den Job des Teamchefs übernehmen.
In den Medien wurde bereits groß Angekündigt, das Ernst Kirchmayr
mit dem Plus City1 Team fahren wird, das es auch ein Plus City2 Team geben
wird, und das er mit dem Plus City1 Team unter den Top 10 landen will.
Er habe dazu auch mich, einen professionellen Rennfahrer, engagiert der
die Taktik und denn Rennverlauf planen und verantworten wird.
Der Freitag begann ruhig und nett, wir haben im Casino Linz die Karts,
sowie die Prominenten Fahrer verlost. Im Plus City1 Team war Tamee Harrison
bereits fix engagiert, weil dies aus Promotion-, und Werbezwecke erforderlich
war. Alle anderen Teams hatten die Chance einen Franz Klammer oder andere
"Kartprofis" zugelost zu bekommen. Wir haben uns dafür
schon einstellen können wer unser Promifahrer sein wird, und konnten
uns darauf einstellen.
Die Tamee ist ja bereits in Velden gefahren, und wir wussten das sie
super fährt. Wenn man bedenkt, daß sie nur 50 Kg wiegt, und
es nicht ihr Job ist LKW zu fahren(so fährt sich nämlich so
ein 4-Takt Kart), dann ist es schon was besonderes, mit den Männern
mitzufahren.
Wir vereinbarten am Samstag einen gemeinsamen Team Treffpunkt in der
Plus City, um mit beiden Teams eine Runde auf der Bahn zu Fuß zu
gehen um die Eigenschaften der Strecke zu besprechen. Ich führte
die Truppe rund um den Kurs und wir besprachen alle Einzelheiten, Überholmöglichkeiten,
und Gefahren der Bahn.
Samstag abend dann das erste Training. Unser Team kristallisierte sich
zu einer konstanten, homogenen Gruppe heraus. Wir hatten keine Topfahrer,
aber auch keine schwachen Fahrer. Von Tamee über Ernst, sowie alle
anderen Teammitglieder, fuhren wir konstante Zeiten innerhalb von 2 Sekunden.
Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, es müssen über die
4 Stunden Renndauer alle Fahrer fahren und jeder darf nicht öfters
als 3x fahren, und die maximale Fahrzeit ist 20 Minuten pro Heat. Zusammengerechnet
konnten wir mit allen Fahrern mithalten und das ist für ein reines
Amateurteam ohne Rennerfahrung eine gute Ausgangssituation.
In der Qualifikation hatte ich die Wahl zwischen zwei Fahrern. Ich stellte
Ernst und Matthias als Kandidaten auf. Ich erklärte nochmals die
Taktik unterschiede zwischen Training und Qualy und los ging´s.
Die Qualy dauerte 25 Minuten, und wir mussten im dichten Verkehr auf der
Strecke mindesten je eine freie fehlerlose Runde schaffen. Matthias hat
die Qualy eröffnet und ist 10 Minuten draußen gewesen. Platz
4 war bis zu diesem Zeitpunkt eine Sensation. Aber wie bereits vermutet
haben die anderen Teams mit den starken Piloten noch zugewartet und so
kam es, daß nach dem Wechsel zu Ernst die Bestzeiten nur so "purzelten".
Meine Taktik war es, wenn Ernst nicht an die Zeiten von Matthias herankommt,
ihn gleich wieder hereinzuholen, und die letzten 8-10 Minuten den Matthias
nochmals rauszulassen. Ernst hatte den ganzen Tag bereits geklagt, daß
er die Boxensignale nicht sieht und so kam es, das er bis zum Ende des
Qualifying draußen blieb. Zum Ende der Qualy haben wir Platz 8 belegt,
und mussten, wenn auch mit einem tränenden Auge, mit unserer 4 Startreihe
zufrieden sein.
Am Sonntag gab es noch ein 2 Stunden WarmUp, und um 14:00 Uhr ging's
dann los.
Der Rennverlauf war sehr spannend. Wir hatten uns eine Renntaktik zurechtgelegt,
die uns alle Pflichtstopps zum frühest möglichen Zeitpunkt erledigen
ließ. Ich hatte das ganze Wochenende den Benzinverbrauch berechnet
und so einen Tankstopp ab Minute 40 für möglich befunden. In
Minute 55 wollte ich den Markus Aumair zum Tankstopp schicken, doch es
folgte ein Regenguss, der den RedBull Zielbogen zusammenfallen ließ
und das rennen abgebrochen wurde.
Nach einer Stunde Unterbrechung wurde das Rennen neu gestartet. Wir lagen
zu diesem Zeitpunkt auf Rang 4 und fuhren nun wie vereinbart als erstes
Team zum Tankstopp. Ab diesem Zeitpunkt waren wir 6te, hatten aber bereits
getankt, und hatten freie Bahn bis zum Schluss. Alle Fahrer haben ihr
bestes gegeben. Wir haben unser Pflichtprogramm perfekt heruntergespult
und alle Fahrerwechsel korrekt durchgeführt. Es gab keine Fehler
auf der Bahn und auch nicht in der Box. Da es auf den Streckenteilen die
im Freien gefahren wurden noch nass war, habe ich Tamee noch zurückgehalten.
Ich hab sie wählen lassen nass zu werden, oder im trockenen zu fahren.
Sie zog das Trockene dem Nassen vor. Der drittletzte Turn gehörte
dann Tamee. Sie ist fehlerfrei ihren Teil gefahren, und wir haben unseren
Platz gehalten.
In der Schlussphase habe ich die Fahrzeiten auf einen maximal langen
Schlußturn, mit unserem besten Fahrer dem Matthias getimed. Ich
habe also Tamee frühzeitig hereingeholt. Cyrus ist dann den vorletzten
Turn gefahren und wir lagen zu diesem Zeitpunkt um Rang 6 ständig
schwankend, weil alle Teams in den Wechselphasen waren.
Für den Zielturn hab ich den Matthias rausgeschickt. Er fightete
wie ein Löwe und fuhr in den letzten 10 Runden(ca.15min) einen Rückstand
von 48 Sekunden auf das vor uns liegende Team herein. Wir beendeten das
Rennen auf einem hervorragenden 5.Platz.
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