Mag. Art. Susanne Lippitsch
 
Industriemagazin
Ausgabe 3, März 2001  
 

Das Österreichische Industriemagazin Ausgabe 3, März 2001 brachte einen Artikel über Jungdesigner mit dem Titel „Karrieren und Barrieren“

Faltteller. Mit einer Falttasche aus zweiunddreißig Geodreiecken deutete die Grazerin Susanne Lippitsch bereits in der Schulzeit ihr Formempfinden an. Die Eigenkreation war einfach, aber effektiv. Die vorgebohrten Löcher in den Dreiecken verband sie mit Nylonfäden, und ein Gummiband fixierte die jeweilige Form, bis zu vier Varianten, der Schultasche.

Heute faltet die 27-jährige Absolventin der „Angewandten“ professionell Teller ohne Hilfsmittel. Die Designerin vollendete gerade die Auftragsarbeit einer österreichischen Fastfoodkette, bei der sie den Papierteller revolutionierte. Durch ihre spezielle Falttechnik ist es gelungen, einen Teller zu formen, der den Flüssigkeitsaustritt verhindert. Zum ersten mal wird diese Innovation, die Österreichische Papierindustrie würdigte ihre Arbeit mit einem Preis, bei der Eröffnung einer neuen Fastfoodkette im Twin-Tower präsentiert.

Die vier roten Tellerdreiecke werden Kante an Kante und Seite an Seite in einem entsprechend großen grünen Dreieck platziert oder dem Kunden auf einem weißen, dreieckigen Kunststofftablett beim Zahlen überreicht. Mag. Art. Susanne Lippitsch

 


Mag. Art. Susanne Lippitsch
 
DER STANDARD, 21. Dezember 2001  
 
Diamantpapier
 

 

Wenn die Designerin Susanne Lippitsch ein Stück Papier zwischen die Finger kriegt, entstehen im Handumdrehen außergewöhnliche Papierbehälter reizvollster Art.

 

Der Ausdruck Schachtel ist an dieser Stelle unpassend. Schachtel klingt alt und altmodisch, jedenfalls fad.
Was Susanne Lippitsch also aus Papierblättern formt, sind keine Schachteln, sondern filigrane Aufbewahrungsobjekte, die wie Muscheln aufklappen, die sich wie Blüten auf sanften Druck hin öffnen, und die jedenfalls mit herkömmlichen Karton- oder Papierboxen so viel zu tun haben wie Gourmetmenüs mit Fastfood.

Die junge Designerin mit Ausbildung an der Universität für angewandte Kunst hat sich dem extravaganten Formen von Papierobjekten gewidmet. Ihre papierenen Aufbewahrungs- und Verpackungsobjekte sind allerdings den strengen Auflagen der Vernunft unterworfen: Die Behältnisse, die Lippitsch aus dem scheinbar primitiven Material Papier formt, müssen einfach in der Herstellung und in Massen produzierbar sein, sie müssen freundlich zur Umwelt und simpel in der Handhabung sein. Und die fertigen Produkte sollten alle mit einem gewissen Überraschungseffekt aufwarten können. Zusätzlicher Vorteil: Da die Behältnisse erst bei Bedarf in die dritte Dimension gefaltet werden, spart man sich jede Menge Stauraum, und für einen Stapel vorgestanzten Papiers oder Kartons ist allemal auch im kleinsten Geschäft irgendwo Platz.

"Papier", sagt die Designerin, "ist ein ausgesprochen edles Material, mit dem man unglaublich viel anstellen kann. Die asiatische Kultur hat uns hier einiges voraus, dort wird das Einpacken zelebriert, während bei uns jede Papierverpackung wie ein Bananenkarton ausschaut." Lippitsch hat allerdings selbst japanischen High-Class-Verpackungen etwas voraus - ihre Spezialität besteht darin, dass ihre Konstrukte ganz ohne Klebstoff auskommen, also quasi selbsttragend sind. Raffinierte, oft als Kreissegmente angelegte Kanten und Verfaltungen dienen zur Aussteifung und Stabilisierung des Endproduktes. Die Spannung, die dem leichten Werkstoff Papier durch diese Art der Verformung gegeben wird, hält die hübschen Behältnisse stark in Form. "Ich wollte die Qualitäten dieses faszinierenden Materials ausreizen", sagt Lippitsch, "alle diese Formen basieren auf geometrischen Ideen." Für STANDARD-Leser hat sich Lippitsch einen kleinen Weihnachtsstern ausgedacht, der zugleich auch als Verpackung für Nettigkeiten aller Art herhalten kann. Tipp: Einfacher geht es mit etwas festerem Papier. Also: aufkleben, ausschneiden, losfalten! uwo

   
 

 

Infos: http://www.sl-design.at

 

  © DER STANDARD, 21. Dezember 2001 Automatically processed by COMLAB NewsBench